Menschlichkeit ohne GrenzenGedenken an die Todesmärsche vom April 1945

Heuer jähren sich zum 75. Mal die Todesmärsche von Mauthausen nach Gunskirchen. An die 22.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden im April 1945 vom Konzentrationslager Mauthausen-Gusen 55 Kilometer ins Anhaltelager in von Gunskirchen getrieben. Viele von ihnen kamen dabei ums Leben bzw. wurden ermordet. Auch durch Enns und Ennsdorf führten diese Märsche.


Gedenkmarsch von Mauthausen nach Gunskirchen

Eine Veranstaltung des Katholischen Bildungswerks OÖ von 23. - 25.10.2020

Gedenkmarsch

Wanderausstellung GEH-DENK-Spuren 2020


Die Ausstellung mit 24 Rollups von Gemeinden entlang der Todesmarschstrecke ist 2020 noch an diesen Orten zu sehen:


  • 10.10. - 27.10. im Bildungshaus Schloss Puchberg, Wels
  • 31.10. - 7.11. im Pfarrheim Pucking
  • 9.11. - 27.11. in der Landesmusikschule Wels
  • Gedenkstätte Mauthausen: ständige Ausstellung im Reviergebäude


Begleitbroschüre zur Wanderausstellung


Accompanying brochure in english


Auf dieser interaktiven Landkarte der Historikerin Angelika Schlackl erhalten Sie Informationen zu allen Orten und bekannten Ereignissen entlang der Todesmarschstrecke:

Gedenkenin Distanz

Einladung

Für den 22. April hatten wir heuer eine große Gedenkveranstaltung geplant, die Einladung dafür möchten wir Ihnen zumindest optisch nicht vorenthalten.

Das heurige "Abstand halten" hat das Gedenken in der geplanten Form nicht erlaubt. Die physische Distanz hindert uns aber nicht daran, für Menschlichkeit einzustehen. Wir verbinden uns digital, um das Erinnern dennoch zu ermöglichen.

Herzlichen Dank an alle für die bisherigen Vorbereitungen, u.a. auch den SchülerInnen des BRG Enns.

Am 22. April wurden Blumen zur Gedenktafel bei der Basilikastiege gebracht.

Blumen

Danke für rege Beteiligung am bunten Blumenstrauß!


Am 22. April legten der Ennsdorfer Bürgermeister Daniel Lachmayr und Gabriele Käferböck vom Mauthausenkomitee Enns im kleinen Kreis und mit Sicherheitsabstand beim Bildstock in der Bäckerstraße einen Kranz nieder und präsentierten eine anlässlich des Gedenkjahres aufgestellte Schautafel (siehe Foto rechts) mit umfangreichen Informationen zur Geschichte der Gedenkstätte.

Eine 2005 am Bildstock angebrachte steinerne Gedenktafel erinnert an die Grabstätte jener 33 Juden, die bei den Todesmärschen von Mauthausen nach Gunskirchen im April 1945 auf Ennsdorfer Gemeindegebiet ermordet wurden.

Das Erinnern an den Holocaust sind wir den Opfern schuldig! Den Opfern zum Gedenken und den Lebenden zur Mahnung.

Gedenken Ennsdorf
Kranzniederlegung

Kranzniederlegung und Schautafelpräsentation:

Bgm. Daniel Lachmayr, Vz.Bgm. Walter Forstenlechner, Winfried Reichl (Mk-Enns), Gf. Gemeinderat Thomas Wahl, Fritz Käferböck-Stelzer, Gabriele Käferböck (beide Mk-Enns) (v.li.n.re.)

Video-Statements zum virtuellen Gedenken 2020:

Angelika Schlackl

Historikerin

Franz Stefan Karlinger

Bürgermeister von Enns

Daniel Lachmayr

Bürgermeister von Ennsdorf

Gottfried Kneifel

Obmann Museumsverein Lauriacum

Text-, Bild- und Tonkollagen von Überlebenden

Nähere Infos über Jehuda Bacon finden Sie auf dieser Präsentation von Ottilie Oberreiter-Samide:


Ulrike Ahorner hat diese Präsentation über Dr. Edith Eger zusammengestellt:


Julia Mayr ist Professorin für Geschichte am BG/BRG Enns und hat ihren SchülerInnen (in Zeiten von Homeschooling) biografisches Material zu zwei weiteren Überlebenden übermittelt und sie um Rückmeldungen gebeten.


Michael Kraus: Tagebuch 1942–1945: Aufzeichnungen eines Fünfzehnjährigen aus dem Holocaust

Michael Kraus
Thomas:
Ich stelle es mir unheimlich schrecklich vor, ohne meine Eltern und meine Brüder ganz allein in einem Konzentrationslager eingesperrt zu sein. Ich hätte unendlich viel Angst. Den ständigen Hunger stelle ich mir auch ganz furchtbar vor. Mich wundert es nicht, dass viele diese Qualen nicht überlebt haben. Leider sind auch die Eltern von Herrn Kraus im KZ ums Leben gekommen. Es macht mich sehr traurig, über diese Dinge nachzudenken. Vor allem weil diese Verbrechen leider auch ganz in der Nähe von Enns stattgefunden haben.

Es ist beeindruckend wie Herr Kraus es trotzdem geschafft hat, so ganz auf sich allein gestellt, als Kind zu überleben. So etwas Schreckliches darf nirgends auf der Welt mehr passieren. Dafür müssen vor allem wir jungen Menschen kämpfen. Ich bin froh darüber, dass Herr Kraus trotz der Qualen überlebt hat und eine eigene Familie gründen konnte.
Selma:
Es gehen einem viele Gedanken durch den Kopf, doch am meisten stelle ich mir die Frage wie Menschen so rassenvertieft sein können, dass sie Menschen auf Grund ihrer Herkunft, Familie oder auch Hautfarbe so behandeln und deren ganze Familien bzw. ganze Völker auf so grausame Art und Weise vernichten wollen.

Aus solch einem Erlebnis oder auch nur als Geschichte kann man nicht viel Positives mitnehmen, jedoch zeigt es uns, dass man mit etwas Positivem denken und starker Hoffnungen oft an sein Ziel gelangen kann.
David Hersch: Flucht auf dem Todesmarsch (in Enns, das Buch seines Sohnes Jack Hersch ist 2020 auf deutsch erschienen)

David Hersch
Caro:
Diese Gedanken beschäftigen mich: Wo hat er sich verirrt? Wie wurde er dort behandelt (Versteck)? Wie konnte er fliehen? Wie ist er mit der Angst umgegangen?

Als junger Mensch kann ich davon mitnehmen: Es gibt immer eine Lösung, man muss nur den richtigen Weg finden. Ich finde es sehr ermutigend, dass sich ein Mann wie David Hersch traute zu flüchten. Es war sicherlich nicht leicht, doch er hat es geschafft. Viele Menschen starben an Folgen des zweiten Weltkriegs, doch manche überlebten und an diese Leute sollten wir denken, wenn wir etwas nicht schaffen, denn sie haben das fast Unmögliche möglich gemacht.
Laura:
Obwohl ich in diesem Fall schon wusste, dass David Hersch fliehen konnte, war es in gewisser Weise eine Erleichterung zu lesen, dass er nicht bestraft wurde und er nach der Befreiung ein normales Leben weiterführen konnte.

Im Allgemeinen könnte man sich aus dieser Biografie mitnehmen, dass man sich nicht so leicht unterkriegen sollte und es auch in ausweglos zu scheinenden Situationen eine Lösung gibt wodurch es im Nachhinein wieder besser werden kann.

Folgende mit uns verbundene Menschen stehen mit ihrem Bild für das Motto der heurigen Gedenk- und Befreiungsfeiern:

Gabriele Käferböck
Gerhard Riedl
Walter Forstenlechner
Fritz Käferböck-Stelzer
Ottilie Oberreiter-Samide
Harald Prinz
Regina Welles
Ilse und Hans Mayrhofer
Hannes Eipeldauer

evang. Pfarrer Enns

Helga Schmiedjell, David Weinberger
Ulrike Ahorner
Stefan Dorninger
Clara Daubek-Puza
Mustafa Selimspahic
Monika Primetshofer
Angelika Schlackl
Iris Hanousek-Mader, Thomas Mader
Elisabeth und Clemens Birklbauer

„Bedenkt, dass ihr Menschen seid.Das ist das Einzige, seid menschlich!“

Diese Botschaft richtet der KZ-Überlebende Aba Lewit an die Menschen heute. In der Nazi-Diktatur erreichte die Menschlichkeit ihre Grenze bzw. ging überhaupt verloren. Auch heute brauchen wir wieder mehr Menschlichkeit und guten Umgang miteinander: „Denn das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung!“